Alles fing damit an, dass wir uns nach langem Hin und Her doch dazu durchrangen, den Boden der Hütte zu ersetzen, weil der modrige Geruch auch nach Abbau der Innenverkleidung nicht verschwinden wollte. Es war bereits Ende August und wir spürten bereits einen gewissen Zeitdruck im Nacken, denn wir wollten die Hütte vor Wintereinbruch nicht nur Wetter- sondern vor allem Nagerfest bekommen. Also machten wir uns an die Arbeit. Wir hatten genau einen Tag eingeplant für das Entfernen der alten Dielen und der sich darunter befindenden Dachpappe, die als Dampfsperre gedient hatte.
Samstag Morgen, halb zehn in Deutschland, begannen wir also mit der Arbeit. Zunächst lief alles, wie geplant: Robert sägte die alten Dielen mit der Stichsäge heraus, und ich sägte sie dann mit der Kappsäge in Ofen-/Grillgerechte Stücken. Um vier hatten wir endlich alle Dielen ausgebaut. Während Robert weitere Latten einzog und diese mit Teer bestrich, um sie witterungsbeständig zu machen, entfernte ich die poröse Dachpappe. Es begann bereits zu dämmern, und wir wussten, uns blieben noch ungefähr 30 min Licht. Dennoch blieben wir ganz entspannt, da wir das Tagesziel schon fast erreicht hatten. So glaubten wir zumindest....
Aber wie das immer so ist: Unverhofft kommt oft und der Teufel ist ein Eichhörnchen. Naja, in diesem Fall wohl eher ein Siebenschläfer. Als ich das nächste Stück Dachpappe lüpfte, kam mir ein haariges Etwas entgegen und ich erschrak im ersten Moment, weil ich nicht wusste, was ich da sah.
Beim genaueren Hinschauen war schnell klar, dass es sich um einen Siebenschläfer handeln musste. Allerdings glaubten wir, der Kleine sei Tod, da er sich trotz dem Lärm den wir veranstalteten keinen Millimeter bewegte. Erst als ich ihn mit der Schaufel herausheben wollte, begann das Fellknäuel zu grunzen. Wir waren völlig überfordert. War das eventuell ein krankes Tier? Oder hielt er etwa schon Winterschlaf? Schließlich war es doch noch nichtmal September?! Wir fragten kurzer Hand meinen Vater um Rat. Er bestätigte, dass es durchaus sein konnte, dass der Kleine bereits Winterschlaf hält. Allerdings war davon auszugehen, dass er noch nicht all zu lange schlief und somit noch umgesiedelt werden konnte. Dies war mit Abstand das süßeste Nagetier, das ich je gesehen habe und ich taufte ihn Konrad Siebenschläfer. Da keiner wusste, was genau mit Konrad los war, wollten wir ihn lieber nicht mit der Hand anfassen und versuchten ihn mit der Schaufel rauszusetzen. Aufgrund der Schwerfälligkeit des Tieres, gestaltete sich das schwieriger, als vermutet.
Wir setzen den Kleinen an den Gartenzaun. In den nächsten Minuten schaute ich immer wieder nach, ob er noch da saß. Er wurde zunehmend lebendiger und als ich das nächste Mal nach ihm sah, machte er einen Satz und verschwand in der Dunkelheit des Waldes. Natürlich erreichten wir unser Tagesziel nicht. Aber diese kurze Bekanntschaft mit Konrad war eine wahrlich herzerwärmende Begegnung., an die ich immer wieder denken muss. Seither begrüße ich ihn mit einem lauten "Hallo, Konrad!", wenn ich das Grundstück betrete.

















