Dienstag, 25. August 2015

Wanderurlaub im mystischen Schwarzwald - Tag 2 Kühe streicheln auf dem Vogtsbauernhof in Gutach

Nachdem wir das Kloster Allerheiligen hinter uns gelassen hatten und aus dem Tal raus waren, grüßte uns die Sonne und es versprach zumindest ein trockenerer Tag zu werden. Das hatten wir auch schwer gehofft. Unser Hauptziel für heute war nämlich das Freilichtmuseum rund um den historischen Vogtsbauernhof in Gutach. Auf diesen Ausflug hatte ich mich am Meisten gefreut. In meiner Kindheit waren wir oft hier gewesen. Pro erwachsenen haben wir 9 Euro Eintritt bezahlt, als Student bekommt man 1 Euro Ermäßigung. Dabei gibt es weitere Preisangebote für Reisegruppen, sowie drei verschiedene Familienangebote, die auch Großfamilien berücksichtigen. Dafür gibt es von mir auf jeden Fall schon mal einen dicken Bonuspunkt.


Der Vogtsbauernhof bildet das Herzstück des Freilichtmuseums. Dieser Hof wurde im Jahre 1964 durch "Museumsgründer Prof. Hermann Schilli zum "kreiseigenen Denkmalshof" umgebaut"(siehe http://www.vogtsbauernhof.de). Im Laufe der darauffolgenden 40 Jahre wurden weitere historische Höfe aus der Schwarzwälder Region auf das Areal um den Vogtsbauernhof umgesetzt. Daten und Fotos, die diesen höchst aufwendigen und interessanten Prozess der Umsiedelung dokumentieren, sind ebenfalls in dem Freilichtmuseum ausgestellt. Dabei fügen sich die Höfe so perfekt in das ländliche Gesamtbild ein, dass der Eindruck entsteht, das Dorf wäre schon immer hier gewesen. 














Mich interessiert vor allem das Innere der Gehöfte. Dabei bin ich immer wieder beeindruckt von der Einfachheit der Einrichtung. Was wir heute als mangelnden Komfort bezeichnen würden, war damals der allgemeine Standard. Träumerisch wie ich bin, neige ich dazu sehr idealistisch zu denken. Das heißt, wenn ich eine solche Stube betrete, dann sehe ich nicht die Primitivität und Entbehrung, sonder die Familie, wie sie am Ende eines harten Arbeitstages am Tisch sitzt, auf dem bereits das selbst gebackene Brot und Großvaters Selbstgebrannter stehen, während Muttern den warmen Eintopf schöpft. Der Kachelofen verbreitet eine wohlige Wärme und bringt die Eisblumen, die sich von außen an den hauchdünnen Fensterscheiben gebildet haben, allmählich zum schmelzen.

Ich weiß natürlich, dass das Leben damals hart war und dass die Menschen damals auch Sorgen hatten, dass die Kindersterblichkeit viel höher war als heute und dass die Leute bereits mit 40 völlig abgearbeitet waren. Und dennoch strahlt dieses Leben im Einklang mit der Natur und den Jahreszeiten einen  unbeschreiblichen Frieden aus. Aber so faszinierend wie diese vermeintliche Reise in ein vergangenes Leben scheint, hat sie doch auch etwas melancholisches. Die selben Räumen, die heute von Besucherströmen als Attraktion besichtigt werden, waren zum Teil noch vor 50 Jahren bewohnt von Menschen, die dort gelebt, geliebt und gearbeitet haben. Es macht einem schmerzlich bewusst, wie schnell sich die Welt verändert und wie vergleichbar kurz die menschliche Existenz doch ist. Bei manchem Besucher wecken die Höfe gar Erinnerungen an die eigene Kindheit.
Im Laufe der letzten 20 Jahre wurde das Angebot in dem Museums-Dorf stark ausgebaut. In den Werkstätten kann man Männer und Frauen bei traditionellen Arbeiten beobachten und nach kurzer Anweisung sogar selbst das eine oder andere Stück anfertigen. Zu einem Unkostenpreis von 2 Euro kann man am original Holzofenhaus ein frisch gebackenes Bauernbrot erwerben. Da muss man allerdings schnell sein - die gehen sprichwörtlich weg wie die warmen Semmel. In den Gebäuden selbst sind heute viele kleinere Ausstellungen Eingerichtet, teilweise sehr interaktiv, um die kleinen Besucher mehr einzubinden. Auch gibt es heute den Sommer über echte Nutztiere auf dem Gelände zum bestaunen und auch zum berühren. Während die Ziegen und Schweine lieber unter sich sind, sind vor allem das Pferd und die Kühe sehr zutraulich. Da kann es auch mal vorkommen, dass einem völlig unerwartet eine Kuhzunge durchs Gesicht fährt. Meine Schwester musste diese... schleimige Erfahrung schon machen - zu unserer Unterhaltung und zu ihrem Leid. Zudem gibt es einen Abenteuerspielplatz auf dem Gelände, neben dem sich ein kleiner Imbissstand mit breitem Angebot und einer großzügigen Picknickanlage mit Bänken und Tischen, an denen es sich super pausieren lässt. Dank zahlreicher Souvenier-Stände kommen auch Souvenier-Fans auf ihre Kosten. 













Für mich ist ein Tag auf den Vogtsbauernhöfen auch nach all diesen Jahren noch ein Erlebnis, das zweifellos einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Ich hoffe, dass auch meine (zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal geplanten) Kinder eines Tage in den Genuss kommen dürfen, diese Höfe zu bestaunen. Ich freu mich auf jeden Fall schon auf unseren nächsten Besuch auf den Vogsbauernhöfen 2016. 

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