Der Uni-Alltag hat mich 2015 sehr eingespannt und wegen der vielen Deadlines war es mir unmöglich, den Sommer über für länger wegzufahren. Trotzdem wollten wir auf unseren alljährlichen Camping-Urlaub nicht verzichten. Also buchten wir im Juli kurzfristig zwei Nächte auf einem Campingplatz in Tirol, packten unsere Sachen und fuhren übers Wochenende weg. Ziel unseres Kurztrips war der Heiterwangersee, wo wir unser Zelt auf dem Campingplatz des Hotels Fischer am See aufschlugen.
Camping beim Fischer am See
Es ist ein kleiner, idyllischer Ort inmitten eines malerischen Panoramas aus atemberaubenden Bergen, weiten Wäldern und dem grünblauen Wasser des Heiterwangersees mit angrenzendem Plansee.
Direkt am Ufer gibt es eine Fähre, die mehrmals täglich an- und ablegt, mit der man auf die andere Seite des Sees fahre kann. Die Anlage ist sehr gepflegt und die sanitären Anlagen sind sauber. Der Forellenhof verfügt auch über ein kleines Restaurant, in dem man wunderbar einkehren kann. Für alle, die sich selbst versorgen möchten, sollte sich einen kleinen Vorrat mitbringen, da es keine Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe gibt. Mit dem Auto sind die umliegenden Dörfchen jedoch problemlos zu erreichen. Pro Person bezahlt man 12€ am Tag. Der Stellplatz kostet nochmal 7 €/Tag. Die Landschaft verführt geradezu zu ausgiebigen Spaziergängen und Wanderungen. Auch wir konnten dem Ruf der Natur nicht widerstehen und machten uns am nächsten Morgen früh auf den, um unsere Wanderlust zu stillen.

Wandern am Heiterwangersee/Plansee:
Für alle Abenteurer: lange Wanderkleidung ist hier ratsam und man sollte auf jeden Fall sicherstellen, dass die Zeckenimpfungen noch up-to-date sind. Auf dem Campingplatz selbst sind mir abgesehen von den obligatorischen Schnaken am Abend keine Sauger aufgefallen. Aber sobald wir das Gelände verließen, wurde ich wortwörtlich zu Freiwild.
Ich hab keine Ahnung, ob es am Plansee immer so viele Bremsen gibt, aber in diesem Sommer war es schrecklich. Das wusste ich aber vor Antritt der Wanderung noch nicht. Ich zog an diesem Morgen, eine kurze Hose an, weil es so warm war. Dumme Idee, das weiß ich jetzt. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, da wo ich herkomme, gibt es so ein Massenvorkommen an Bremsen nicht - mir ist es jedenfalls noch nicht aufgefallen, und ich bin viel draußen.
Bremsenplage im Wald um Plansee?!
Auf dem Weg entlang des Seeufers war noch alles in Ordnung. Naja, ich hatte ne Nymphe am Bein, aber das bin ich schon gewohnt. Zecken lieben mich. Sobald wir aber in den Waldweg einbogen, haben sich die Bremsen in Scharen auf mich gestürzt. Anfangs dachten wir, dass es auf dem Berg besser werden würde, aber je weiter wir in den Wald gingen, desto schlimmer wurde es. Wir mussten die Wanderung zum Berg dann abbrechen, weil es für mich echt nicht auszuhalten war. Ich wurde pausenlos attackiert. Einmal zählte ich 13 Bremsen auf einmal an meinem Bein - und ich bin nur 1,55 m groß. Eigentlich bin ich nicht empfindlich, aber das hat mich irgendwann so gestresst, dass ich angefangen habe zu weinen. Anders als bei Schnaken, spürt man einen Bremsen Biss und wenn sie sich erst mal festgebissen haben, lassen sie sich nur schlecht vertreiben. Interessanter Weise haben sie sich für Robert kaum interessiert.
Im Nachhinein habe ich gelesen, dass Bremsen durch Schweißgeruch angezogen werden und, dass es hilft, wenn man duscht bevor man in die Natur geht. Ich hab an dem Morgen nicht geduscht, Robert aber schon. Vielleicht ist da wirklich was dran.
Rundwanderweg entlang des Seeufers
Natürlich wollten wir uns den schönen Tag nicht von ein paar dummen Brämen vermiesen lassen und machten stattdessen eine Wanderung auf dem Rundweg um die beiden Seen. Der Weg ist zum größten Teil mit Rollsplitt befestigt; Gutes Schuhwerk ist daher wichtig. Entlang der Strecke hat man einen wunderschönen Ausblick auf den glasklaren See und die umliegende Berglandschaft. Auch hier gab es Bremse, allerdings nur auf den Streckenabschnitten , die direkt im Wald lagen. Wer es nicht all zu eilig hat, kann in den bunten Wildwiesen ein regelrechtes Naturschauspiel beobachten und für eine Weile in die Welt der Schwebefliegen, Schwärmer und Schmetterlinge eintauchen.
An einer Stelle am Übergang zwischen den beiden Seen gibt es einen Baumstamm im Wasser, etwas unterhalb eines Abhangs - der ideale Platz für ein Päuschen. Während man seine Akkus wieder auffüllt, kann man die Füße von dem kühle Seewasser umspülen lassen. Ungefähr auf halber Strecke kehrten wir im Restaurant des Hotels Seespitze ein und gönnten uns ein kühles Bier und einen Eisbecher. Angesichts der großen Hitze beschlossen wir, nicht den kompletten Rundweg zu gehen, sondern bis zum Hotel Forelle zu wandern, und von dort aus mit der Fähre zurück zum Campingplatz zu fahren. Für die Strecke brauchten wir ca. 2 Stunden bei gemütlichem Tempo. Die Forelle markiert ungefähr die Hälfte des gesamten Rundwegs. Ich war mächtig stolz auf uns - an diesem Tag sind wir insgesamt 12 km gelaufen.
Fazit: Wer den Rundweg gerne an einem heißen Sommertag unternehmen möchte, sollte schon früh aufbrechen, um der Mittagshitze so gut wie möglich zu entgehen. Andererseits wird es sehr anstrengend. Auch sollte man unbedingt genug Wasser dabei haben, da die nächsten Möglichkeiten, Wasser zu bekommen ziemlich weit auseinander liegen. Lange Kleidung, festes Schuhwerk und Insektenschutz sind ratsam. Auf jeden Fall ist der Heitwangersee/Plansee ein Erlebnis für alle Naturliebhaber, die eine Auszeit vom Trubel des Alltags und der Stadt suchen. Ich zehre noch immer von der Erinnerungen an diesen wunderschönen Ort. Der Campingplatz ist sehr sauber und ruhig, die Mitarbeiter sind freundlich und hilfsbereit und das idyllische Panorama entschädigt für den etwas teuren Tagessatz.
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Zwischenstopp am Schloss Neuschwanstein
Auf unserem Rückweg ins Ländle kamen wir am Schloß Neuschwanstein vorbei. Für mich war es ein Kindheitstraum, das Schloss mal in echt zu sehen. Als sich nun die Möglichkeit ergab, zögerten wir nicht lange. Bei unserer Ankunft am Morgen regnete es heftig. Ich rechnete also nicht mit all zu vielen Besuchern und freute mich riesig auf den Aufenthalt.

Parken und Eintritt:
Meine Aufregung fand jedoch ihr jähes Ende, als ich die Massen von Touristen sah, die sich auf den Parkplätzen drängten. Ich weiß zwar nicht, was ich erwartet hatte, aber mit so vielen Menschen hatte ich nicht gerechnet. Das Parkplatzticket kostete 6 € für den ganzen Tag. Wir folgten dem Strom bis sich ca. 5 Minuten vom Parkplatz entfernt ein kleines Gebäude abzeichnetet und davor eine meterlangen Menschenschlange. An diesem Terminal erhält man die Eintrittskarten für das Schloß, inklusive Führung. Erwachsene bezahlen 12 Euro. Bei dem Preis stockte uns erst einmal der Atem, dachten aber, wenn man dafür was geboten bekommt, warum nicht. Bis zur nächsten Führung waren es allerdings 4 Stunden Wartezeit und vor uns war eine Riesenschlange. Uns wurde also schnell klar, dass das nichts werden würde. Zurückkehrende Besucher berichteten dann, dass man nicht viel verpasst, wenn man die Führung nicht macht, da nur wenige Räume für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Den Schloßhof kann man zudem auch ohne Ticket besichtigen. Wir verzichteten also auf die Schloßführung.
Aufstieg zum Schloß
Das Schloß befindet sich in einiger Entfernung vom Parkplatz auf einem Berg. Man hat hier mehrere Möglichkeiten, zum Schloß zu gelangen: Es gibt einen preiswerten Bus (Preis für Bergfahrt 1,80€, Talfahrt 1€) und eine kleine Pferdekutsche. Bei letzterer kostet die Bergfahrt stolze 6 € pro Person, die Talfahrt für die Hälfte. In den Bus hätte mich allerdings keine 10 Pferde reinbekommen, der war hoffnungslos überfüllt. Auf Nachfrage, wie lange der Aufstieg dauert, sagte uns der Kutscher, es sei ein anstrengender Fußmarsch steil bergauf von 45 Minuten. Da wir es allerdings nicht eilig hatten und die Kutschfahrt recht teuer ist, beschlossen wir zu laufen. Wir nahmen uns Zeit und gingen langsam, da wir unsere Kräfte für den anstrengenden Aufstieg gut einsparen wollten. Man kam schon etwas ins Schwitzen, aber ich persönlich empfand die Steigung nicht als so dramatisch. Dazu muss man auch sagen, dass wir Steigungen gewohnt sind, da wir ursprünglich aus einem Ort kommen, der am Berg gebaut wurde. Zu unserer Überraschung standen wir schon nach 20 Minuten vor dem Schloß - wir wären sogar noch 5 Min früher gewesen, hätten wir nicht noch am Souvenir Kiosk auf der Strecke gehalten. Hier sollte man, falls nötig auch seine Wasserreserven nochmal auffüllen, da es die einzige Möglichkeit ist, noch etwas zu kaufen. Ich schätze mal, dass es sich bei der Zeitangabe von 40 Minuten um den maximalen Durchschnittswert handelt.

Im Schloßhof
Auch im Schloßhof riß die Menschenflut nicht ab. Es war wie auf einem Festival. Nein, es war schlimmer, weil die Massen unaufhörlich in den völlig überfüllten Hof strömten und es kaum Ausweichmöglichkeiten gab.
Abgesehen von der beeindruckenden Bemalung der ehemaligen Kapelle, gab es hier eigentlich nichts zu sehen. Drei Fotos später kämpften wir uns zurück zum Hoftor.
Die Marienbrücke
Wir zogen weiter zur berüchtigten Marinebrücke, von der aus man den schönsten Blick auf das Schloss hat. Vom Schloß aus sind es bis dort hin nochmal ca. 10 Minuten Fußmarsch - ebenfalls bergauf. Die Brücke wurde angeblich nur zu dem Zweck gebaut, das Schloss in all seiner Pracht zu zeigen.
Panik auf der Brücke
Vorsicht: Die Brücke ist nichts für Menschen mit Höhenangst oder diversen sozialen Phobien, wie ich am eigenen Laib erfahren musste. Die Ritzen zwischen den Holzplanken am Boden geben den Blick in die darunterlegende Schlucht frei. Außerdem war die Brücke total überfüllt. Ich bin zwar kein Statiker, und weiß nicht, was so eine Stahlbrücke aushält, aber das waren echt viele Menschen. Ich wollte sie erst garnicht überqueren. Das Problem war nur, dass es auf der anderen Seite einen schönen Wanderweg gibt, den wir gerne gehen wollten. Mit Engelszungen hat es Robi schließlich geschafft, mich zu überreden - zum Glück muss ich jetzt sagen.
Aber kaum hatte ich den ersten Fuß auf die Brücke gesetzt, bekam ich Panik. Nur wer selbst schon einmal eine Panikattacken erlebt hat, weiß, wie schrecklich sich das anfühlt. Umkehren ging leider nicht, weil von hinten schon die nächsten Schaulustigen drängten. Ich habe mich zwar so gut es ging zusammengerissen, das Zittern und die Tränen, die mir stumm übers Gesicht kullerten, konnte ich allerdings nicht verbergen, sodass mich die entgegenkommenden Leute anstarrten, als wäre ich eine Verrückte. Und Robi? Der hielt mich ganz fest an der Hand und führte mich blitzschnell, wie ein echter Prinz, über die Brücke.
Der Wanderweg mit märchenhaftem Blick auf das Schloß
Auf der anderen Seite riss der Besucherstrom mit einmal ab. Ab hier führte ein Waldpfad immerzu bergauf. Im Nachhinein war dies für mich der schönste Teil des ganzen Ausflugs. Die Aussicht auf das Schloss von hier oben war schlicht und ergreifend magisch.
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| Vom Berggipfel aus wirkten das Schloß und die Landschaft wie ein Modellbau. |
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Dieser kleine Kerl wollte sich einfach nicht von mir verabschieden. Immer wieder landete er auf meinem geblümten Kleid. Er dachte wohl ich wäre eine Blumenwiese.
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Wir waren übrigens die einzigen Wanderer so weit draußen. Und die Natur .... einfach nur märchenhaft! Ich fühlte mich wortwörtlich, wie ein Charakter in einem Märchenbuch.
Auf dem Bergrücken gibt es eine Seilbahn, mit der wir wieder hinunter ins Tal fahren wollten - ich wollte nicht nochmal über die Brücke. Nach einer Stunde Aufstieg mussten wir allerdings umkehren, da wir kein Wasser mehr hatten und nicht wussten, wie weit es noch war bis zur Seilbahn. Zurück am Parkplatz stellten wir fest, dass wir nur wenige Meter von der Bahn entfernt gewesen wären. Naja, Sicherheit geht immer Zweifelsfall immer vor.
Fazit: Über das Innere des Schlosses kann ich leider nichts sagen. Die Anlage selbst ist zweifelsfrei sehenswert aber die Touristenmassen nehmen dem Ort meiner Meinung nach jegliche Magie. Für Schloßliebhaber ist es vielleicht auch nicht ganz unwichtig zu wissen, dass das Schloss erst Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde - es ist also ein recht "modernes" Schloß. Das tut der Architektur zwar kein Abbruch, erklärt aber warum das Schloß in so einem guten Zustand ist. Nachhaltig beeindruckt hat mich allerdings wie kunstvoll die Architektur des Schlosses in die umliegende Natur eingefügt wurde und die perfekte Komposition, die sich daraus ergibt. Erst von der Spitze des Berges aus verstand ich, warum Schloß Neuschwanstein eines der bekanntesten Wahrzeichen Deutschlands ist.