Dienstag, 5. Januar 2016

Erneuerung des Hüttendachs

Wo soll ich bloß anfangen?! Bisher war das Dach zweifellos die größte Baustelle während des gesamten Hüttenumbaus. Nach der ersten Inspektion war uns klar, das Dach muss erneuert werden. Zwar waren die Ziegel zum größten Teil noch gut erhalten, jedoch die Unterkonstruktion war durch die vielen Jahre der Vernachlässigung stark angegriffen worden durch Tierexkremente und hereindringendes Regenwasser. Nach ausgiebiger Recherche entschieden wir uns für ein Stahldach. 5 Monate später ist das neue Dach endlich drauf! Naja, fast. Hier und da fehlen noch ein paar Abschlussbleche, aber die Hauptsache ist, das Dach liegt. In diesem Beitrag möchte ich die Erlebnisse aus dieser für uns sehr aufwendige und langwierige Aktion mit euch teilen, in der Hoffnung, dass sie für den einen oder anderen hilfreich sind. 

Abriss des alten Daches:



Dabei hatten wir während der Abriss-Phase viel Hilfe von Freunden. Zu fünft hatten wir das Dach in nur 4 Stunden komplett bis aufs Gebälk abgebaut. *YEEEY!* Als erstes mussten die Ziegel runter. Während einer mutig genug war, aufs Dach zu krabbeln, bildeten wir anderen eine Menschenkette und setzten die Ziegel in eine Ecke hinter der Hütte. Zwar waren die Ziegel nicht unbedingt schwer, aber nach einer gewissen Zeit des Ziegelschleppens, konnte ich meine Oberarm Muskulatur deutlich spüren. Vom nächsten Morgen möchte ich garnicht erst sprechen...



Anschließend entfernten wir die alte Verladung, die sich darunter befindende Dachfolie, sowie die alte Regenrinne. Zu meiner Verwunderung war die Folie das einzige, das Dach und Dachboden voneinander trennte. Wie ich später erfuhr, hat man Dächer früher anscheinend so gebaut. Kein Wunder hatte es in der Hütte nur so von Nagetieren gewimmelt! Der Dachboden war von Nagetier-Exkrementen nur so übersät. Ich war so angewidert, dass ich sogar vergaß, ein Bild davon zu machen. Der Anblick allein war schon eklig, aber der Geruch war einfach nur abstoßend! Natürlich waren wir ganz vorbildlich ausgestattet mit Atemmasken und Schutzanzügen. Sicherheit muss sein! Zumal BaWü zu den Regionen mit einem erhöhten Risiko für das Hantavirus gehört. Dabei handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die unter Anderem bei Kontakt mit Exkrementen einiger Nagetiere übertragen werden kann und im schlimmsten Fall tödlich endet. Mit der "Mäusekrankheit" ist also nicht zu spaßen! Um das nun freilegende Gebälk vor eventuellen Regenschauern zu schützen, zweckentfremdeten wir kurzerhand die Bodenplane, auf der normalerweise unser Zelt steht.



Nach getaner Arbeit ließen wir den Rest des Tages mit gekühltem Bier und Bratwürsten gemütlich ausklingen und genossen das hereinbrechende Abendrot.



Einziehen eines Zwischendachs aus OSB Platten:
Wie auch später beim Boden benutzten wir für den "Rohbau" 20 cm dicke OSB Platten, um zukünftige Nager-Attacken auf die Hütte abzuwehren. Beim Herankarren der Platten hatten wir Gott-sei-Dank zu Beginn noch Hilfe. Die waren nämlich nicht nur sackschwer (for a mouse like me), sondern vor allem auch extrem unhandlich, weil so lang. Das Grundstück ist nicht mit einem Auto befahrbar, was zwar cool ist, weil es dadurch sehr uneinsehbar ist. Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch, dass man jedes Stück Material zur Hütte hintragen muss, und das auch noch bergauf. Aber Robert hatte eine geniale Idee: Er installierte eine Seilwinde, die über eine Autobatterie gespeist werden kann und besorgte einen Metallwagen, mit dem wir die Materialien nun zur Hütte transportieren können. Das Ganze sieht dann in etwa so aus:

Der anstrengendste Teil der ganzen Dach-Aktion war allerdings das Hinaufhiefen der OSB Platten auf das Dachgebälk. Diesen Teil erledigten Robert und ich nämlich alleine. Daher dauerte es auch eine ganze Weile, bis die Platten oben waren. Zu zweit brauchten wir fast vier Tage, bis das  Dach komplett geschlossen war. Immer noch ziemlich schnell find ich.




Hier die Ansicht auf das Zwischendach aus dem Inneren der Hütte.

Über das OSB-Dach spannten wir nachher eine Dachfolie, die mit einem Speziellen Klebeband verklebt und mit einer Tackermaschine festgetackert wird. Da diese Folie bis zu drei Monaten als vorläufiges Dach verwendet werden kann, gewannen wir so erstmal etwas Zeit und mussten uns über eventuelle Wetterumschläge (vorerst) keine Sorgen mehr machen.

Hier die Dachfolie in all ihrer Herrlichkeit. Man beachte auch das kleine Dachfenster, das völlig beiläufig an der Stelle der alten Dachbodenluke eingesetzt wurde, sowie die neue, noch ungestrichene Metalltür.

Verlegen des Metalldach:
Als wir drei Wochen Später die Arbeit am Dach wieder aufnahmen, schlug plötzlich das Wetter um. Es regnete pausenlos und es war bitter kalt. Aber es half alles nichts - das Dach musste drauf, und zwar besser gestern...

Nach eingängiger Recherche entschieden wir uns für ein Metalldach von der Firma Ydra. Das Dach wird nicht aus einzelnen Ziegeln zusammengesetzt, sondern aus Metallplatten in Ziegeloptik. Die Platten gibt es in 3 unterschiedlichen Längen. In unserem Fall passte die mittlere Ausführung perfekt.

Das eigentliche Verlegen geht in der Tat ziemlich flink. Auch der Preis von 22,45 €/Platte schien unschlagbar und optisch (finden wir) steht es einem echten Ziegeldach in nichts nach. Für das komplette Dach haben wir dann dennoch  knapp 200 Euro beraffen müssen, denn zusätzlich zu den Dachelementen kamen weitere Teile, wie Abschluss- und Fristbleche, sowie die speziellen Schrauben... Naja, Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist, und ist daher nicht zu unterschätzen.  Das war zwar deutlich mehr, als wir ursprünglich ausgeben wollten und schmerzte auch im Geldbeutel, aber das System überzeugte durch die leichte Handhabung, sowie die durch den Hersteller versprochene Robustheit und eine Lebensdauer von bis zu 80 Jahren.



Zuerst schraubten wir auf jeder Dachhälfte 6 Dachlatten auf, sowie jeweils einen dickeren Abschlussbalken. In diesem Schritt ist es auch wichtig, bereit die Halterungen für die zukünftige Regenrinne anzubringen, da dies, wenn das Dach erst einmal drauf ist, ungemein schwieriger wird. Um das Holz Wetterresistent zu machen, strichen wir wieder alles mit Teerfarbe. Angesichts der niedrigen Temperaturen brauchte die Farbe sehr lange zum trocknen. Eine Woche später, war die Farbe immer noch zäh. Auf eine Hälfte unseres Dach passten fast genau 4 Elemente. Der minimale Überstand ließ sich problemlos mit einer herkömmlichen Metallschere aus dem Baumarkt abschneiden. Das Verlegen der Platten war wirklich einfach. Das Herumbalancieren auf den nassen Stahlplatten bei 5 Grad (+/- 5 Grad) allerdings weniger, und absolut kein Spaß. Außerdem sind die Kanten der Metallelemente sehr scharf. Keine Handschuhe - Keine gute Idee! Ich sag nur Auaaaa!

Trotz der einfachen Verarbeitung der Elemente zog sich die Installierung über Wochen aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse und einem übervollen Terminkalender. Dazu kam, dass es immer schon um 16 Uhr dunkel wurde. Zu diesem Zeitpunkt sind noch nicht alle Abschlussbleche angebracht und auch die Regenrinne fehlt noch. Aber, alles zu seiner Zeit.

Mini-Baustellen ohne Ende...

Da wir wussten, dass die Erneuerung des Dachs eine kostspieligere Angelegenheit werden würde, versuchten wir bei allem anderen zu sparen, so gut es ging.

Fenster und Fensterläden: Aus alt mach neu



Eigentlich haben die Fensterläden ihre besten Tage auch schon lange hinter sich. Beim Anschleifen bemerkte ich schnell, dass das Holz teilweise schon morsch ist und nur noch durch die alte Farbe zusammengehalten wurde. Da wir im Moment allerdings weder das Geld, noch die Zeit haben, um neue Fensterläden zu bauen, investierten wir in eine wetterfeste Holzfarbe und verliehen den Läden einen neuen Anstrich. Ich wollte eine Farbe, die frisch, aber nicht zu schrill ist. Schließlich entschied ich mich für ein sanftes Taubenblau. Das Ergebnis kann sich doch sehen lassen. Auch die Fensterrahmen der alten Fenster habe ich abgeschliffen und in einem Altweiss-Ton gestrichen.



Wo eine Tür nicht mehr schließt, .... muss eine neue her:

Nachdem die Dachfolie endlich drauf war, (*yeeeey*) erneuten wir erst einmal die Tür. Die alte war völlig verzogen und an der Unterseite schon durchgefault. Am liebsten hätte ich ja so eine nette Gartenhaustür aus Holz gehabt, aber die sind im Baumarkt ziemlich teuer und auf einschlägigen Anzeiger-Webseiten war auf die Schnelle nichts zu finden. Zum Glück ist mein Paps ein leidenschaftlicher Baustoff-Sammler und als wir ihm unser "Leid" klagten, hatte er doch tatsächlich noch eine Metalltür über, die er uns großzügiger Weise überließ, inklusive Rahmen. Zwar entsprach die Tür so garnicht meinen Vorstellung, aber es war definitiv eine Entlastung für unsere Haushaltskasse. Man muss eben auch lernen Kompromisse zu machen, nicht wahr?!

Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten war, dass mit dem Einbau der Tür, eine Phase der Mini-Baustellen losgetreten werden würde, die uns knapp drei Monate Zeit rauben würden. Denn hinter jeder Holzplanke kam ein neues Problem zum Vorschein.  Alles begann damit, dass die neue Tür etwas breiter und Höher war, als die alte, sodass das Gebälk für den Türrahmen ebenfalls umgebaut werden musste. Dabei mussten wir feststellen, dass die Holzplanken von der Außenverkleidung zum Boden hin  völlig durchgefault waren. Der Grund dafür war, dass das Erdreich an dieser Stelle zu hoch lag und so das Regenwasser ungebremst gegen das Holz peitschte. Es half also alles nicht: Wir mussten als erstes die Erde abgraben und das Steinfundament wieder freilegen, das über die Jahre verschüttet worden war. Dann rissen wir das faulige Holz runter und -wer hätte es gedacht- zogen eine Zwischenwand aus dicken OSB-Platten ein, auf der wir dann neue Holzplanken aufschraubten. Diese strichen wir dann provisorisch mit zwei lagen Holzschutz, um sie winterfest zu machen. Konnte ja keiner wissen, dass der dieses Jahr sooo lange auf sich warten lassen würde. Ganz beiläufig setzten wir während dieser ganzen Aktion noch ein kleines Fenster in der ehemaligen Dachluke ein, um eine bessere Zirkulation in der Hütte herzustellen. Das Fenster haben wir für nen 20er im Baumarkt ergattert. Im Moment suchen wir noch nach einem zweiten kleinen Fenster für die gegenüberliegende Seite. Rund soll es sein - Geduld ist hier wohl das Schlüsselwort.

Ich bin so froh, dass diese Phase der Mini-Baustellen endlich vorbei ist. Für mich war es neben dem Boden die frustrierendsten Zeit während des gesamten Umbaus, weil man zwar viel gearbeitet hat, aber so wenig Erfolg sah. Alles ging so langsam und immer, wenn man dachte, man hätte es geschafft, tauchte ein neues Problem auf. Dazu kam noch, dass wir eigentlich kaum Zeit hatten, um an der Hütte zu arbeiten (zumindest theoretisch), weil uns der ganz normale Alltagswahnsinn inzwischen wieder eingeholt hatte. Witziger Weise nahmen wir uns die Zeit einfach, und das hat auch funktioniert. Dies beweist mal wieder, dass es sowas wie "ich hab keine Zeit" eigentlich nicht wirklich gibt. Es ist oft eher eine Frage der Einstellung.

Montag, 4. Januar 2016

Nachtrag: Der erste Schnee in 2015

Bisher hatten wir riesiges Glück mit dem Wetter hier unten im Süden. Bis in den späten November hatten wir herbstliche Temperaturen, weshalb es uns möglich war, viel an der Hütte zu Arbeit

Aber Anfang Dezember hatten wir zwei Tage, an denen die Temperaturen das erste (und einzige Mal in 2015) unter 0 Grad fielen. Verwöhnt von dem zuvor warmen Wetter dachten wir, "ach, so schlimm wird es nicht sein". Also gingen wir in den Garten, um am Dach zu arbeiten. Nunja, falsch gedacht! Es war so schlimm! Vor allem war es schweinekalt! Da der Ofen in der Hütte noch nicht wieder angeschlossen ist, hatten wir einen kleinen Heizer mitgebracht. Ohne den, wäre die Arbeit hier draußen an diesem Tag unmöglich gewesen. Und dann, als der Abend hereinbrach, begann es zu schneien. Glücklicher Weise hatte ich die Kamera griffbereit, um das Naturschauspiel festzuhalten. Jaja, während ich mich schön im Inneren der Hütte aufwärmte und mit der Kamera rumspielte, war mein Männchen draußen am Arbeiten - so wie es sich gehört. 


Nachtrag: Der Herbst ist da!

Jetzt ist es amtlich: Der Sommer ist vorbei und der Herbst ist angekommen. Dabei zeigt er sich hier draußen von seiner schönsten Seite. Ich könnte stundenlang auf der Bank vor unserer Hütte sitzen und mir dieses gigantische Farbenspiel anschauen:

Herbstblick aus der Hütte
Obwohl wir noch ein ordentliches Arbeitspensum vor uns hatten, konnte ich es mir nicht nehmen lassen, durch die Natur zu streifen und die herbstlichen Eindrücke (mehr schlecht als recht) mit der Kamera festzuhalten. Leider kommen die Bilder nicht einmal annähernd an die Realität heran. 



Es sind diese magischen Momente, die mich realisieren lassen, wie atemberaubend schön die Natur ist und wieviel Glück wir haben, hier sein zu dürfen.



Ein neuer Boden für die alte Hütte... endlich!!

Nachdem die alte Dachpappe (und Konrad) erfolgreich entfernt worden waren, bereiteten wir den Untergrund für den zukünftigen Boden vor. Wir wussten noch nicht so genau, wo die Reise hingehen sollte, aber was auch immer wir vor hatten, wichtig war, dass das Resultat die nächsten 60 Jahre überstehen würde. Das Schlüsselwort war "Mäusesicher". 

Hie noch ein Bild von der Hütte vor dem Umbau mit alter Innenverkleidung und altem Dielenboden.

Vorbereitung des Untergrunds:
Wir haben das Glück, dass unsere Hütte auf einem recht hohen Streifenfundament  aus Beton gebaut wurde. Als erstes besserten wir also das Fundament aus, wo notwendig. Zudem schlossen wir die Lücken zwischen Bodenbalken und Fundament zusätzlich mit Beton, um diese potentiellen Mauseschlupflöcher zu eliminieren. Anschließend zog Robert noch ein paar extra Boden-Balken ein, um mehr Stabilität für den späteren Dielenboden herzustellen. In einschlägigen Foren hatten wir den Tip erhalten, die Balken zusätzlich mit Teerfarbe zu streichen, um sie gegen Feuchtigkeit von unten zu schützen. Bei sommerlichen 28 Grad war die Farbe nach nur ein paar Tagen komplett trocken. Aber "oh, boy!", das Zeug klebt erbarmungslos! Handschuhe und alte Kleidung sind daher ein absolutes Must Have, vor allem wenn man so ein Klecker-Heini ist, wie ich. Dann legten wir den Boden zwischen dem Streifenfundament mit neuer Dachpappe aus, um die Feuchtigkeit aus der Erde abzuhalten. 

Einbau des Blindbodens:
Eine Woche später schraubten wir auf die Unterbalken einen Boden aus 20 cm OSB-Platten auf. Die Idee dahinter war, den Boden etwas zu isolieren und natürlich, um die eigentlich Bodendielen später besser verlegen zu können. Für den Einbau des Blindboden brauchten wir insgesamt drei Tage. Sobald die OSB-Platten lagen, war es schon richtig heimlich in der Hütte!





Verlegen des Dielenboden:
Als nächstes brachten wir Dachlatten auf dem OSB-Boden an, auf denen später die Bodendielen befestigt wurden. Während ich die Bodendielen verlegte, arbeitete Robert an unserer zweiten großen Baustelle, dem Dach. Nach zwei Tagen hatte ich den Dielenboden komplett verlegt. Ich kann es nicht leugnen: Ich bin mächtig stolz auf mich und meine Arbeit. 


Sobald es wieder etwas wärmer geworden ist, wird der Boden eingelassen, höchstwahrscheinlich mit einem Wachs, um ihn widerstandsfähiger zu machen. Bis dahin gilt: Betreten nur mit Hüttenschuhen.

Montag, 28. Dezember 2015

Der Überraschungsbesuch des Konrad Siebenschläfer

Alles fing damit an, dass wir uns nach langem Hin und Her doch dazu durchrangen, den Boden der Hütte zu ersetzen, weil der modrige Geruch auch nach Abbau der Innenverkleidung nicht verschwinden wollte. Es war bereits Ende August und wir spürten bereits einen gewissen Zeitdruck im Nacken, denn wir wollten die Hütte vor Wintereinbruch nicht nur Wetter- sondern vor allem Nagerfest bekommen. Also machten wir uns an die Arbeit. Wir hatten genau einen Tag eingeplant für das Entfernen der alten Dielen und der sich darunter befindenden Dachpappe, die als Dampfsperre gedient hatte. 

Samstag Morgen, halb zehn in Deutschland, begannen wir also mit der Arbeit. Zunächst lief alles, wie geplant: Robert sägte die alten Dielen mit der Stichsäge heraus, und ich sägte sie dann mit der Kappsäge in Ofen-/Grillgerechte Stücken. Um vier hatten wir endlich alle Dielen ausgebaut. Während Robert weitere Latten einzog und diese mit Teer bestrich, um sie witterungsbeständig zu machen, entfernte ich die poröse Dachpappe. Es begann bereits zu dämmern, und wir wussten, uns blieben noch ungefähr 30 min Licht. Dennoch blieben wir ganz entspannt, da wir das Tagesziel schon fast erreicht hatten. So glaubten wir zumindest....

Aber wie das immer so ist: Unverhofft kommt oft und der Teufel ist ein Eichhörnchen. Naja, in diesem Fall wohl eher ein Siebenschläfer. Als ich das nächste Stück Dachpappe lüpfte, kam mir ein haariges Etwas entgegen und ich erschrak im ersten Moment, weil ich nicht wusste, was ich da sah. 


Beim genaueren Hinschauen war schnell klar, dass es sich um einen Siebenschläfer handeln musste. Allerdings glaubten wir, der Kleine sei Tod, da er sich trotz dem Lärm den wir veranstalteten keinen Millimeter bewegte. Erst als ich ihn mit der Schaufel herausheben wollte, begann das Fellknäuel zu grunzen. Wir waren völlig überfordert. War das eventuell ein krankes Tier? Oder hielt er etwa schon Winterschlaf? Schließlich war es doch noch nichtmal September?! Wir fragten kurzer Hand meinen Vater um Rat. Er bestätigte, dass es durchaus sein konnte, dass der Kleine  bereits Winterschlaf hält. Allerdings war davon auszugehen, dass er noch nicht all zu lange schlief und somit noch umgesiedelt werden konnte. Dies war mit Abstand das süßeste Nagetier, das ich je gesehen habe und ich taufte ihn Konrad Siebenschläfer. Da keiner wusste, was genau mit Konrad los war, wollten wir ihn lieber nicht mit der Hand anfassen und versuchten ihn mit der Schaufel rauszusetzen. Aufgrund der Schwerfälligkeit des Tieres, gestaltete sich das schwieriger, als vermutet. 

Wir setzen den Kleinen an den Gartenzaun. In den nächsten Minuten schaute ich immer wieder nach, ob er noch da saß. Er wurde zunehmend lebendiger und als ich das nächste Mal nach ihm sah, machte er einen Satz und verschwand in der Dunkelheit des Waldes. Natürlich erreichten wir unser Tagesziel nicht. Aber diese kurze Bekanntschaft mit Konrad war eine wahrlich herzerwärmende Begegnung., an die ich immer wieder denken muss. Seither begrüße ich ihn mit einem lauten "Hallo, Konrad!", wenn ich das Grundstück betrete. 

Dienstag, 25. August 2015

Wanderurlaub im mystischen Schwarzwald - Tag 3 Wanderung zum Schluchsee



Zum Abschluss unseres Wanderurlaubs wollten wir noch eine richtige Wanderung unternehmen, und zwar zum Schluchsee. Das Auto stellten wir auf einem Parkplatz in unmittelbarer Nähe zum Gasthof Hirschen in Fischbach ab. Pünktlich zu unserer Ankunft fing es natürlich wieder an zu regnen. Nein, es goss!! Der Regen peitschte derart heftig auf uns herab, dass selbst die Schirme eigentlich nichts mehr nützten. Die ausgeschilderte Wanderroute führte uns quer durch Wald und Flur und fasziniert mit einem weiten Blick in das malerische Fischbach Tal.

Die Landschaft war das reinste Paradies. Überall sprießte junges Grün hervor und man konnte förmlich riechen wie die Natur allmählich aus dem Winterschlaf erwachte. In den Geruch von nasser Erde mischte sich ein Duft von Tannennadeln, Harz und wildem Schnittlauch. Es war herrlich.


Immer wieder kamen wir vorbei an frisch geborenen Waldblumen und kleinen Rinnsale, die der Regen der letzten Tage hatte entstehen lassen, und die nun sanft glucksend die Waldhänge entlang sprudelten. Und während ich mich so umsah und die Eindrücke um mich herum in mich aufnahm, dachte ich nur, was für ein magischer Ort der Wald doch ist. Es verwundert mich nicht, dass er die Geburtsstätte und Schauplatz unzähliger Märchen und Mythen ist.


Als wir eine Stunde später am See ankamen, setzte der Regen schließlich aus und ab und zu blinzelte tatsächlich die Sonne hinter der dunklen Wolkendecke hervor. Vor uns ereignete sich wahrhaftig ein Naturschauspiel, als dicke Nebelschwarten aus dem Wald heraufstiegen.


Als wir noch Kinder waren hatte meine Mutter uns erzählt, dieser Nebel sei in Wahrheit der Rauch von Hexenkesseln, die die Hexen bei schlechtem Wetter anfeuern um sich zu wärmen. Diese Vorstellung machte mir allerdings keine Angst; ganz im Gegenteil, es faszinierte mich. Alles was ich dacht war "Wow, gibt es bei uns viele Hexen". Nachdem wir die Aussicht noch für eine Weile genossen hatten, machten wir uns auch schon auf den Rückweg. Am Parkplatz entschieden wir kurzerhand im Gasthof Hirschen einzukehren und so den kurzen aber intensiven Wanderurlaub im magischen Schwarzwald ausklingen zu lassen.