Wo soll ich bloß anfangen?! Bisher war das Dach zweifellos die größte Baustelle während des gesamten Hüttenumbaus. Nach der ersten Inspektion war uns klar, das Dach muss erneuert werden. Zwar waren die Ziegel zum größten Teil noch gut erhalten, jedoch die Unterkonstruktion war durch die vielen Jahre der Vernachlässigung stark angegriffen worden durch Tierexkremente und hereindringendes Regenwasser. Nach ausgiebiger Recherche entschieden wir uns für ein Stahldach. 5 Monate später ist das neue Dach endlich drauf! Naja, fast. Hier und da fehlen noch ein paar Abschlussbleche, aber die Hauptsache ist, das Dach liegt. In diesem Beitrag möchte ich die Erlebnisse aus dieser für uns sehr aufwendige und langwierige Aktion mit euch teilen, in der Hoffnung, dass sie für den einen oder anderen hilfreich sind.
Abriss des alten Daches:
Dabei hatten wir während der Abriss-Phase viel Hilfe von Freunden. Zu fünft hatten wir das Dach in nur 4 Stunden komplett bis aufs Gebälk abgebaut. *YEEEY!* Als erstes mussten die Ziegel runter. Während einer mutig genug war, aufs Dach zu krabbeln, bildeten wir anderen eine Menschenkette und setzten die Ziegel in eine Ecke hinter der Hütte. Zwar waren die Ziegel nicht unbedingt schwer, aber nach einer gewissen Zeit des Ziegelschleppens, konnte ich meine Oberarm Muskulatur deutlich spüren. Vom nächsten Morgen möchte ich garnicht erst sprechen...
Anschließend entfernten wir die alte Verladung, die sich darunter befindende Dachfolie, sowie die alte Regenrinne. Zu meiner Verwunderung war die Folie das einzige, das Dach und Dachboden voneinander trennte. Wie ich später erfuhr, hat man Dächer früher anscheinend so gebaut. Kein Wunder hatte es in der Hütte nur so von Nagetieren gewimmelt! Der Dachboden war von Nagetier-Exkrementen nur so übersät. Ich war so angewidert, dass ich sogar vergaß, ein Bild davon zu machen. Der Anblick allein war schon eklig, aber der Geruch war einfach nur abstoßend! Natürlich waren wir ganz vorbildlich ausgestattet mit Atemmasken und Schutzanzügen. Sicherheit muss sein! Zumal BaWü zu den Regionen mit einem erhöhten Risiko für das Hantavirus gehört. Dabei handelt es sich um eine Infektionskrankheit, die unter Anderem bei Kontakt mit Exkrementen einiger Nagetiere übertragen werden kann und im schlimmsten Fall tödlich endet. Mit der "Mäusekrankheit" ist also nicht zu spaßen! Um das nun freilegende Gebälk vor eventuellen Regenschauern zu schützen, zweckentfremdeten wir kurzerhand die Bodenplane, auf der normalerweise unser Zelt steht.
Nach getaner Arbeit ließen wir den Rest des Tages mit gekühltem Bier und Bratwürsten gemütlich ausklingen und genossen das hereinbrechende Abendrot.
Einziehen eines Zwischendachs aus OSB Platten:
Wie auch später beim Boden benutzten wir für den "Rohbau" 20 cm dicke OSB Platten, um zukünftige Nager-Attacken auf die Hütte abzuwehren. Beim Herankarren der Platten hatten wir Gott-sei-Dank zu Beginn noch Hilfe. Die waren nämlich nicht nur sackschwer (for a mouse like me), sondern vor allem auch extrem unhandlich, weil so lang. Das Grundstück ist nicht mit einem Auto befahrbar, was zwar cool ist, weil es dadurch sehr uneinsehbar ist. Im Umkehrschluss bedeutet dies jedoch, dass man jedes Stück Material zur Hütte hintragen muss, und das auch noch bergauf. Aber Robert hatte eine geniale Idee: Er installierte eine Seilwinde, die über eine Autobatterie gespeist werden kann und besorgte einen Metallwagen, mit dem wir die Materialien nun zur Hütte transportieren können. Das Ganze sieht dann in etwa so aus:
Der anstrengendste Teil der ganzen Dach-Aktion war allerdings das Hinaufhiefen der OSB Platten auf das Dachgebälk. Diesen Teil erledigten Robert und ich nämlich alleine. Daher dauerte es auch eine ganze Weile, bis die Platten oben waren. Zu zweit brauchten wir fast vier Tage, bis das Dach komplett geschlossen war. Immer noch ziemlich schnell find ich.
| Hier die Ansicht auf das Zwischendach aus dem Inneren der Hütte. |
Über das OSB-Dach spannten wir nachher eine Dachfolie, die mit einem Speziellen Klebeband verklebt und mit einer Tackermaschine festgetackert wird. Da diese Folie bis zu drei Monaten als vorläufiges Dach verwendet werden kann, gewannen wir so erstmal etwas Zeit und mussten uns über eventuelle Wetterumschläge (vorerst) keine Sorgen mehr machen.
Verlegen des Metalldach:
Als wir drei Wochen Später die Arbeit am Dach wieder aufnahmen, schlug plötzlich das Wetter um. Es regnete pausenlos und es war bitter kalt. Aber es half alles nichts - das Dach musste drauf, und zwar besser gestern...
Nach eingängiger Recherche entschieden wir uns für ein Metalldach von der Firma Ydra. Das Dach wird nicht aus einzelnen Ziegeln zusammengesetzt, sondern aus Metallplatten in Ziegeloptik. Die Platten gibt es in 3 unterschiedlichen Längen. In unserem Fall passte die mittlere Ausführung perfekt.
Das eigentliche Verlegen geht in der Tat ziemlich flink. Auch der Preis von 22,45 €/Platte schien unschlagbar und optisch (finden wir) steht es einem echten Ziegeldach in nichts nach. Für das komplette Dach haben wir dann dennoch knapp 200 Euro beraffen müssen, denn zusätzlich zu den Dachelementen kamen weitere Teile, wie Abschluss- und Fristbleche, sowie die speziellen Schrauben... Naja, Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist, und ist daher nicht zu unterschätzen. Das war zwar deutlich mehr, als wir ursprünglich ausgeben wollten und schmerzte auch im Geldbeutel, aber das System überzeugte durch die leichte Handhabung, sowie die durch den Hersteller versprochene Robustheit und eine Lebensdauer von bis zu 80 Jahren.
Zuerst schraubten wir auf jeder Dachhälfte 6 Dachlatten auf, sowie jeweils einen dickeren Abschlussbalken. In diesem Schritt ist es auch wichtig, bereit die Halterungen für die zukünftige Regenrinne anzubringen, da dies, wenn das Dach erst einmal drauf ist, ungemein schwieriger wird. Um das Holz Wetterresistent zu machen, strichen wir wieder alles mit Teerfarbe. Angesichts der niedrigen Temperaturen brauchte die Farbe sehr lange zum trocknen. Eine Woche später, war die Farbe immer noch zäh. Auf eine Hälfte unseres Dach passten fast genau 4 Elemente. Der minimale Überstand ließ sich problemlos mit einer herkömmlichen Metallschere aus dem Baumarkt abschneiden. Das Verlegen der Platten war wirklich einfach. Das Herumbalancieren auf den nassen Stahlplatten bei 5 Grad (+/- 5 Grad) allerdings weniger, und absolut kein Spaß. Außerdem sind die Kanten der Metallelemente sehr scharf. Keine Handschuhe - Keine gute Idee! Ich sag nur Auaaaa!
Trotz der einfachen Verarbeitung der Elemente zog sich die Installierung über Wochen aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse und einem übervollen Terminkalender. Dazu kam, dass es immer schon um 16 Uhr dunkel wurde. Zu diesem Zeitpunkt sind noch nicht alle Abschlussbleche angebracht und auch die Regenrinne fehlt noch. Aber, alles zu seiner Zeit.
